Warum Rapunzels Turm

Der Name ist für mich glasklar gewesen

Rapunzel ist eine Figur, die viele kennen: Eine junge Frau, die in einem Turm sitzt, abgeschnitten von der Welt und abhängig von einer einzigen Bezugsperson – und die davon überzeugt ist, dass draußen Gefahr lauert.

Oh- die Beschreibung passt ja haargenau auf mich 😉

Diese Metapher beschreibt für viele Menschen mit Traumafolgestörungen erschreckend genau, wie sich ihr Leben anfühlt. Nicht, weil sie „nicht raus wollen“, sondern weil Sicherheit und Gewohnheit irgendwann zu dem wurden, was überhaupt noch Halt gab.

Warum Rapunzel im Turm blieb

Rapunzel blieb nicht wegen der schönen Aussicht im Turm. Sie blieb, weil sie gelernt hatte, dass der Turm sicher ist, dass draußen Gefahr lauert und dass Veränderung riskant ist. Man bleibt besser dort, wo man sich auskennt und wo man weiß, was einen erwartet.

Diese Überzeugungen kamen nicht aus ihr selbst. Sie wurden ihr von einer Person vermittelt, die Macht über sie hatte und ihr immer wieder einredete, dass sie ohne den Turm nicht überleben könne.

Viele Betroffene kennen dieses Gefühl. Man bleibt in Strukturen, die man kennt, selbst wenn sie einem nicht guttun, hält an Routinen fest, weil alles andere Angst macht, und lebt in einem kleinen, überschaubaren Mikrokosmos, der zwar eng ist, aber vertraut.

Rapunzel als Metapher für PTBS

Ich nenne mich Rapunzel, weil ich mich genauso fühle: gefangen in einem inneren Turm, abgeschottet von der Welt, nach außen vielleicht funktionierend und stark, während es innen oft ganz anders aussieht.

PTBS ist kein Märchen. Sie prägt den Alltag – durch Erinnerungen, Dissoziationen, Panikattacken, Vermeidungsverhalten und eine ständige Alarmbereitschaft, die für andere oft unsichtbar bleibt.

Der Turm ist für mich deshalb beides: ein Ort, der schützt und gleichzeitig isoliert, der Sicherheit geben kann und einem trotzdem ein Stück Freiheit nimmt.

Frau Gothel – die Stimme der Angst

In der Rapunzel-Geschichte gibt es Frau Gothel, die alles kontrolliert und Rapunzel immer wieder vermittelt, dass die Welt außerhalb des Turms gefährlich ist. Viele Betroffene kennen solche Stimmen – nicht unbedingt von einer einzelnen Person, sondern aus Erfahrungen, die sich tief eingeprägt haben.

„Bleib, wo du bist. Veränderung ist gefährlich. Du schaffst das nicht.“

Trauma kann solche Botschaften hinterlassen. Der Turm ist deshalb nicht nur ein Ort, sondern auch ein Zustand.

Warum der Turm wichtig ist

Der Turm ist für mich aber nicht nur ein Symbol für Isolation. Er ist auch ein Symbol für Überleben.

Viele Betroffene haben gelernt, sich zu schützen, indem sie sich zurückziehen, Routinen schaffen und sich auf das konzentrieren, was sie kennen. Wenn die Welt draußen zu laut und zu unberechenbar wird, kann dieser kleine, vertraute Lebensbereich der Ort sein, an dem man überhaupt erst einmal wieder Luft bekommt.

Der Turm ist für mich der Ort, an dem ich mich sortieren kann und nicht ständig kämpfen muss….und wenn, dann baller ich aus sicherer Entfernung.

Und ich weiß, dass es da draußen ganz viele Rapunzeln gibt. Menschen, die in ihren eigenen Türmen sitzen und von außen vielleicht ganz anders wirken, als es in ihnen aussieht. Menschen, die nicht dort sind, weil sie „nicht wollen“, sondern weil sie irgendwann gelernt haben, dass es sicherer ist. Und Menschen, die oft ziemlich allein sind mit ihren Gedanken, ihren Symptomen und ihren Ängsten.

Mit dieser Seite möchte ich zeigen, dass man mit diesem Erleben nicht allein ist. Dass der Turm manchmal der einzige Ort ist, an dem man überhaupt erst überleben konnte.

Deshalb heißt diese Seite: Rapunzels Turm.