Wer ist Rapunzel

Wer ist Rapunzel?

Ich bin Rapunzel – eine Betroffene, die seit vielen Jahren mit den Folgen schwerer Missbrauchserfahrungen lebt und gelernt hat, meinen Alltag mit PTBS, Dissoziationen, Panikattacken, Depressionen und einem ziemlich chaotischen Nervensystem zu bewältigen.

Ich schreibe nicht aus der Theorie, sondern aus eigener Erfahrung. Ich kenne die Tage, an denen ganz normale Dinge zur Herausforderung werden, die Unsicherheit, wenn man selbst nicht weiß, was gerade in Körper und Kopf passiert, und die mühsame Suche nach Antworten, wenn man sich mit Fachbegriffen und Diagnosen allein gelassen fühlt.

Ich hasse Ungerechtigkeit. Unfaire Moves machen mich wahnsinnig und wenn Probleme einfach geleugnet, kleingeredet oder unter den Teppich gekehrt werden, kann ich nur schwer stillhalten. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich heute schreibe.

Denn eigentlich wollte ich nie sichtbar sein.

Ich habe sehr lange geschwiegen, mich versteckt und alles dafür getan, nicht als das erkannt zu werden, was ich bin: eine schwer traumatisierte Betroffene. Erst mein OEG-Verfahren hat mich irgendwann dazu gezwungen, aus diesem Versteck herauszukommen. Nicht, weil ich plötzlich Lust auf Öffentlichkeit hatte, sondern weil ich Hilfe und Rat brauchte und merkte, dass ich diese Antworten allein nicht finden würde.

Ich musste andere Betroffene finden. Menschen, die wussten, wie sich ein Antrag, ein Gutachten, eine Behörde oder ein jahrelanges Verfahren tatsächlich anfühlt. Menschen, die nicht nur aus Büchern darüber sprechen konnten.

Und dabei habe ich festgestellt, dass meine Erfahrungen offenbar nicht nur meine sind.

Ich bin sauer auf ein System, in dem Hilfebedürftige sich die Informationen über ihre eigenen Ansprüche oft mühsam selbst zusammensuchen müssen und anschließend auch noch um angemessene Leistungen und Unterstützung kämpfen müssen.

Ich habe mir im Laufe der Jahre fast alles erkämpfen müssen: den Schwerbehindertenausweis, den Pflegegrad und zuletzt vor dem Sozialgericht das Merkzeichen H. Eine Ausnahme gibt es allerdings: die Erwerbsminderungsrente – die wollte ich ursprünglich gar nicht. 😉

Wie lange mein OEG-Verfahren noch dauern wird, steht dagegen in den Sternen.

Ich bin frustriert und oft überfordert damit, immer wieder durch Raster zu fallen und mich für meine Einschränkungen rechtfertigen zu müssen. Und ich kenne die Schuldgefühle, weil meine Familie vieles mittragen muss, was ich nicht kann. Besonders weh tut mir der Gedanke, dass mein Kind mich nie als freie, gesunde Frau kennenlernen durfte.

Ich kann mir hundertmal sagen, dass ich nicht schuld daran bin, traumatisiert zu sein. Das macht diese Gefühle trotzdem nicht einfach weg.

Ich bin nicht die Starke. Ich bin nicht die unverwundbare Heldin, die alle anderen beschützt.

Ich bin die, die mit dem Rücken an der Wand steht und nicht weg kann – außer nach vorne.

Nicht, weil ich immer mutig bin. Nicht, weil ich keine Angst habe. Und schon gar nicht, weil ich alles im Griff habe. Sondern weil irgendwann der Punkt kommt, an dem Stillhalten keine Lösung mehr ist.

Ich bin selbst Teil dessen, was geschützt werden muss.

Ich bin keine Ärztin, keine Therapeutin und keine Juristin. Ich bin Betroffene. Genau aus dieser Perspektive schreibe ich.

Ich bin neugierig, hartnäckig und manchmal ziemlich unbequem. Wenn mir eine Antwort nicht plausibel erscheint, will ich wissen, warum. Ich recherchiere, suche nach Gesetzen, Urteilen und Studien und versuche, persönliche Erfahrungen von belegbaren Fakten zu unterscheiden.

Mein Blog ist 2015 parallel zu meinem eigenen OEG-Antrag entstanden. Im Laufe der Jahre kamen die Umfrage „Dein Weg durch das OEG“, mein TikTok-Account und weitere öffentliche Aufklärungsarbeit dazu. Auch an der Entstehung und am Aufbau von KE!N EINZELFALL e.V. war ich beteiligt.

Steckbrief

Name: Rapunzel (Pseudonym)
Rolle: Betroffene, Bloggerin, Aufklärerin und Rechercheurin
Blog: seit 2015
Themen: Traumafolgestörungen, Alltag mit Trauma, Behördenpraxis, OEG, Schwerbehinderung, Pflege sowie Gesetze, Urteile und Studien
Stil: direkt, kritisch, ehrlich und mit Humor – ohne unnötiges Fachchinesisch
Arbeitsweise: eigene Erfahrungen + Recherche + möglichst überprüfbare Quellen
Warum anonym: Selbstschutz und Familienschutz

Warum ich schreibe

Ich schreibe, weil ich selbst viel zu lange nach Antworten suchen musste. Weil ich weiß, wie anstrengend es ist, Hilfe zu brauchen und sich trotzdem erst einmal selbst durch Gesetze, Anträge und Fachbegriffe kämpfen zu müssen.

Dieser Blog soll kein medizinisches Lehrbuch und kein Jammer-Tagebuch sein. Ich möchte erzählen, was ich erlebt habe, zeigen, was mir begegnet ist, und dort, wo es möglich ist, die entsprechenden Belege dazu liefern.

Ich möchte sichtbar machen, was sonst gerne unsichtbar bleibt: den Alltag hinter Diagnosen, die Hürden hinter Anträgen und die Menschen hinter den Akten.

Und vielleicht hilft das dem einen oder anderen dabei, sich nicht ganz so allein durch diesen Irrsinn kämpfen zu müssen.

Denn eines habe ich auf meinem eigenen Weg gelernt:

Man muss nicht alles glauben, nur weil es jemand mit großer Überzeugung sagt.

Und deshalb gilt hier:

Keine Behauptung ohne Beleg.